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<< SKULPTURALES >> Walter Hellenthal und Christoph Ihrig

Ausstellung im Baukunstarchiv, Ostwall 7, 44135 Dortmund

   Ausstellungszeitraum:  12.11. bis 19.12.2021

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So jeweils 14:00 Uhr – 17:00 Uhr, Do 14:00 – 20:00 Uhr, Mo geschlossen


Vernissage am 11. November 2021 im Baukunstarchiv (Fotos: Olaf Greve)

 

Walther Hellenthal

Hellenthals Werke sind als Gestalt gewordene künstlerische Ergebnisse von Suchprozessen zu verstehen, die sich mit Grundfragen menschlicher Existenz und den Ursprüngen dieser Welt (u.a. Polarität, Spaltung menschlicher Existenz und deren Überwindung) auseinander setzen.

Dabei geht er von Gegensätzlichkeiten in Material und Form aus, von im Steinbruch gefundenem, gesuchtem oder ausgesondertem Stein (Anröchter Dolomit, Ruhrsandstein) und Eisen / Stahl / Aluminium. Deren Ausdrucksqualitäten wie Masse, Volumen, Spuren der Be- und Verarbeitung, ihre Oberflächen und deren Farben regen ihn an. Für ihn besitzen sie eine besondere Energie und Ausstrahlung, die ihm Kraft, Ruhe, Stille und Zeitlichkeit, aber auch Aggression und Polarität vermitteln. Dennoch bleibt in diesen Materialien das Unzugänglich-Offene, das er in ihrer Gegensätzlichkeit in spannungsvolle räumliche Dialoge bringt, um eine neue, andere Erfahrung von Einheit (Cusanus: coincidentia oppositorium) zu ermöglichen. Oft geschieht dies in einem mehr oder weniger unbewussten oder spontanen Arbeitsprozess und spielerischen Experiment.

So gelten Hellenthals Werke nicht als Illustrationen der geäußerten Gedanken, sind daher immer neue Relationen und autonome, auch für ihn häufig unbekannte, geheimnisvolle Arbeiten, die vor dem Hintergrund seiner jeweiligen Befindlichkeit und der anfangs umschriebenen Fakten entstanden sind.

Christoph Ihrig

Christoph Ihrig setzt sich in seinen Arbeiten immer ein Thema welches er dann meist über Jahre verfolgt. Hierbei entwickeln sich seine Skulpturen immer aus einer Ursprungsform neu. So entsteht eine serielle Abfolge von Objekten die sich aufeinander beziehen.

In den vergangenen Jahren setzte er sich mit dem Thema Schalen auseinander ( siehe Abb.). Zur kommenden Ausstellung will er von der Schale als Gefäß, zur Schale als Hülle neue Skulpturen erarbeiten und zeigen. Christoph Ihrig arbeitet vorwiegend mit schwarzem Kalkstein bzw. hellem Marmor.



Stolpersteine - Die Erinnerung wach halten

Die Geschichte dieses Hauses am Ostwall 7 macht deutlich, wie schnell Dinge in Vergessenheit geraten können, wenn es keine kollektive Erinnerung mehr an sie gibt. Als Bürgerinititative und späterer Verein „Ostwall 7 bleibt“ fühlen wir uns auch der Geschichte des Hauses und seiner Umgebung verpflichtet. Vieles gibt es dabei noch zu erforschen, zum Beispiel die unmittelbare Umgebung des Hauses, hinter dem vor dem Zweiten Weltkrieg noch die Museumsstraße mit mehreren Wohnhäusern verlief.

 

Als regelmäßige Besucherin der Kunstsammlung im alten Museum ist mir als damals junge Frau besonders die Installation von Wolf Vostell „Thermoelektrischer Kaugummi“ in Erinnerung geblieben. Ein bedrückender Raum mit hohen Stacheldrahtzäunen, tausenden Löffeln und Gabeln und alten, abgestellten Koffern. Eine Installation, ursprünglich ein Happening, die das Grauen in den Tötungslagern Nazi-Deutschlands plastisch greifbar macht.

 

Als unser Verein über eine mögliche Verlegung eines Stolpersteins nachdachte, war schnell klar, dass wir eine Patenschaft übernehmen wollten. Wir sind daher besonders dankbar, dass wir nun mit den beiden Stolpersteinen für das jüdische Ehepaar Frank an der Olpe 43 an dieses entsetzliche Kapitel unserer Geschichte erinnern können und gleichzeitig dafür sorgen können, dass ihre Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. 

Leider ist uns nicht viel über die Lebensgeschichte der Franks bekannt. Der Kaufmann Edmund Frank, geboren 1892, war im Mai 1932 mit seiner Frau Käthe, geborene Friedmann, Jahrgang 1902, in das Haus an der Olpe eingezogen. Im Oktober 1942 wurden die beiden vermutlich in ein Judenhaus an der Leopoldstraße zwangsumgesiedelt. Dort haben sie bis zur letzten großen Deportation von Dortmunder Juden gelebt. Am 2. März 1943 wurden Edmund und Käthe Frank nach Auschwitz transportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Man muss davon ausgehen, dass sie dort ermordet wurden. Insgesamt wurden rund 5000 Dortmunder Juden in Vernichtungslager deportiert. Nur wenige kehrten zurück.

Sabine Schwalbert

Fotos: Cornelia Suhan / Walter Keller



Innenleben einer Tüte


 

 - Verein Ostwall-7-bleibt jetzt auch im Museum für

Kunst und Kulturgeschichte vertreten -

 

Am 11.Dezember 2019 wurde der erste Teil des Ausstellungs-, Teilhabe- und Sammelprojekts „Mein Dortmund. Eingetütet, ausgepackt und ausgestellt" eröffnet. Seit März 2019 sammelte das Museum für Kunst und Kulturgeschichte mit einer eigens für dieses Projekt entwickelten Tüte und einem Fragebogen Dinge und Geschichten, die einen persönlichen Bezug zu Dortmund dokumentieren. Die Tüten waren und sind - solange der Vorrat reicht - an beinahe 30 Stellen in der Stadt zu erhalten. Gefragt wurde u. a. nach Lieblingsorten und weniger beliebten Plätzen, man wollte wissen, was man an Dortmund und an einander schätzt und was nicht. An über 30 Stationen zeigte das Museum eine erste Auswahl der eingereichten Schenkungen und Leihgaben. Der zeitliche Bogen umspannt rund sieben Jahrzehnte bis hin zu Schen-kungen der Fridays-for-Future-Bewegung vom Sommer 2019.

 

Überrascht wurde das Museum mit einer Vielzahl von Dingen, Gedichten, Fotografien, Filmen, Bildern, Äußerungen von großem Einfallsreichtum. Alt- und NeudortmunderInnen, heutige und ehemalige NeubürgerInnen, Zurückgekehrte, Pendler, Reisende ermöglichen ihren Blick auf die Stadt, teilten persönliche Geschichten und Sichtweisen mit, stellten Gegenstände zur Verfügung, die sie mit ihrer Stadt verbinden. In der ersten Präsentation werden u. a. Objekte aus den Bereichen Kunst, Kultur, Klima, vergangene und heutige Kindheiten, Zukunft, Strukturwandel, Mobilität, (darunter etwa ein Stück eines Schlaglochs der B1 sowie ein Modell der Straßenbahnlinie Nummer 20), Freizeit, Fußball und andere Lieben vorgestellt.

 

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte sammelt fortlaufend weiter - Abgabe zu den Öffnungszeiten des Museums). Wer bis zum nächsten Abgabetermin (wird noch bekanntgegeben) Dinge einreicht, kann bei der Eröffnung von "Mein Dortmund Teil II" im März 2020 dabei sein. Ziel ist es, allen Objekten, die eingehen, Raum zu geben und diese im ganzen Museum verteilt zu präsentieren.


Auch der Verein Ostwall-7-bleibt hat einiges eingereicht, wie die Fotos hier zeigen. Zum Beispiel Kataloge und Ausstellungsan-kündigungen aus den letzten Jahren. Mit dabei war auch ein Stück Fußboden des alten Ostwall-Museums vor dessen Umbau.


Die im Museum für Kunst und Kulturgeschichte ausgestellten Schenkungen des Vereins Ostwall-7-bleibt.



"Entfaltung“ - skulpturale Arbeiten von Peter Dahmen und Sebastian Wien

Nach dem Umbau des Alten Museums am Ostwall zum Baukunstarchiv NRW präsentiert der Verein „Ostwall 7 bleibt“ seine erste Ausstellung im Lichthof des ehemaligen Museums am Ostwall. Unter dem Titel „Entfaltung“ werden skulpturale Arbeiten der beiden Dortmunder Künstler Peter Dahmen und Sebastian Wien gezeigt. Zu sehen sind die Pop-Up-Arbeiten aus Papier (Dahmen) und Stahl-skulpturen (Wien) vom 28. Februar bis zum 26. März. Die Vernissage ist am Donnerstag, 28. Februar, die Finissage am Dienstag den März 26, jeweils um 19 Uhr im Lichthof des Baukunstarchivs NRW. 

„Mit dem wunderschönen Lichthof haben wir einen besonderen, aber auch sehr anspruchsvollen Raum, in den sich die Skulpturen von Sebastian Wien und Peter Dahmen hervorragend einfügen. So unterschiedlich die Materialien sind, so ähnlich ist  ihre Thematik, die Künstler haben deshalb schnell den Titel „Entfaltung“ für die Doppelausstellung gefunden. Dass wir mit unserer ersten Ausstellung einen solchen Spannungsbogen zeigen können, freut uns besonders“, erklärt Sabine Schwalbert für den Vorstand des Vereins „Ostwall 7 bleibt“.

Der Eintritt ist frei

Peter Dahmen studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Dortmund. Seit dem Studium entwirft der heute freiberuflich tätige Designer leidenschaftlich dreidimensionale Klappobjekte aus Papier und Karton. Auch seine Werke thematisieren den Prozess der Transformation.

Die beweglichen Skulpturen, so genannte Pop-Ups, verwandeln sich von flachen Formen in räumliche Objekte. Unter anderem arbeitet er mit abstrakten Formen, die oft einen deutlichen Bezug zu architektonischen Strukturen haben.

Die räumlichen, geometrischen Formen spielen mit Volumen und dem Wechsel zwischen Material und Zwischenraum . Das wird besonders deutlich beim Öffnen und Schließen der Pop-Up-Skulpturen. Viele seiner Arbeiten haben eine (zum Teil nur scheinbare) Symmetrie- oder Spiegelachse, oder sie sind in einem ganz bestimmten Rhythmus gestaltet, der auch für den Betrachter nachvollziehbar wird.

 

Dahmens beweglichen Papierskulpturen wurden bereits bei verschiedenen internationalen Ausstellungen präsentiert, zum Beispiel in der internationalen Ausstellung „World Pop Up Art“ in Seoul (2013) und Changwon (2014) in Korea.

 

Seit 2015 entwirft er exklusive Pop-Up-Karten für den MoMA Design Store (den Shop des New Yorker Museum of Modern Art).

 

Mehr Infos zum Künstler hier.

Einen Film über die Kunstwerke von Peter Dahmen finden Sie hier.

 

Sebastian Wien beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Material Stahl als Grundlage für seine Skulpturen und Objekte. Die Transformation ist  das beherrschende Thema Wiens. Er lässt Bleche unterschiedlicher Stahlsorten  in Spezialbetrieben zu Kugelsegmenten oder schalenförmigen Elementen umformen. Diese Elemente zerschneidet Wien, um sie zu völlig neuen plastischen Formen zusammenzusetzen. Aus der ursprünglichen Kugelform  entsteht so ein kleines Universum eigenständiger Figuren.

 

Allen gemeinsam ist eine schon fast spielerische Leichtigkeit, oft ein Balancieren auf minimalen Flächen, die die mit dem Material Stahl assoziierte Schwere vergessen lässt. Durch ihre reduzierte Formsprache strahlen die Figuren eine große Ruhe aus und beherrschen dennoch  den sie umgebenden Raum.

 

Ein wichtiger Aspekt sind die Oberflächen der Figuren. Zuerst blank geschliffen und zum Teil mit Einschnitten und Einfräsungen versehen, werden sie mit verschiedenen Säuren und Wasser behandelt. Durch den Oxidations-prozess entstehen aus dem Stahl selbst neue Farben, Braun- und Ockertöne, die eher an organisches Material erinnern und zum Teil auch malerische Qualitäten haben, da die Art des Auftragens, mit Pinsel oder Schwamm, auch nach Beendigung der Oxidation sichtbar bleibt.

 

 

Mehr Infos zum Künstler hier.

 


Bitte beachten Sie auch die Seite "Presseberichte", u.a. mit Fotos von

der Vernissage der Ausstellung "Entfaltung" am 28. Februar 2019.